Ion Marin: Voller Elan aus Mannheim und Paris
Schließlich war Mozart damals gerade aus Paris zurückgekehrt in seine von ihm doch eher ungeliebte Heimatstadt. Davon ist freilich nichts zu hören in der damals entstandenen Musik, zu dieser Mittagsstunde mit dem Akademieorchester der Universität Mozarteum unter Ion Marin in der Werk-Trias KV 318 bis 320.
In der kurzen Sinfonie KV 318 hat sich Mozart das letzte Mal mit der Form der von Italien her vorgeprägten dreiteiligen Sinfonia als Ouvertüre zu einer Oper auseinander gesetzt. Wie dazumal gebräuchlich ohne Kontext zu dem eventuell nachfolgendem Bühnenwerk. Da der exakte Zeitpunkt ihrer Entstehung nicht dokumentiert ist, bleibt bis heute die Frage offen, wofür diese Sinfonie/Ouvertüre sie Mozart geplante. Federnd, brillant vom vollbesetzten Orchester unter Marins eher zurückhaltenden Gesten mit heute üblich von den Streichern reduziertem Vibrato angestimmt, war dies jedenfalls ein perfekt animierender Einstieg.
Die Sinfonie di Wolfgango Amadeo Mozart / Salisburgo li 9 di giuglio 1779 in B-Dur KV 319 wirkte intimer besetzt und zart, wiewohl beschwingt. In den präzise ausgespielten Steigerungen ist sie ein guter Beleg für das, was sich Wolfgang bei seinem Besuch in Mannheim an Artikulation und wirkungsvollen Crescendi angeeignet hatte. Das Stück erklang in der gebräuchlichen Zweitfassung. Dafür hat Mozart mutmaßlich für eine seiner Akademien in Wien ein Menuett nachkomponiert und zum Horn-Quartett zusätzlich strahlende Trompeten und Pauken eingefügt.
Auch in rein lokalen Auftragskompositionen des Jahres 1779 spiegeln sich die durch die Reise gewonnenen Eindrücke und Erfahrungen, zum Beispiel in der so genannten Posthorn-Sedrenade D-Dur KV 320. Mozart hat sie selbst als final Musique bezeichnet. Es war seine letzte und speziell dimensionierte Festmusik der Universitäts-Studenten zum Unterrichts-Abschluss. Die beiden umfangreichen Concertante-Sätze je paarweisen Oboen, Flöten und Fagotten belegen, dass die ausführenden Studenten exzellente Instrumentalisten gewesen sein müssten – ähnlich den jetzigen Akademie-Teilnehmern, die ihre Stimmen nach dem einleitenden, von Ion Marin eher preußischem Stechschritt angenäherten, selten zu hörenden Marsch KV 335/2 auch im anschließenden Eröffnungssatz und Menuett der Serenade perfekt ausführten.
Horst Reischenböck - DrehpunktKultur
Complete here