1/17/2020

François-Xavier Roth, das Originalklang-Ensemble Les Siècles und Rhythmus, bei dem jeder mitmuss

« „Vier Jahrhunderte Tanz“, das war das Leitmotiv für das zweite von drei Konzerten, in denen Roth sich in dieser Saison in der Elbphilharmonie als musikhistorisch informierter Universal-Spezialist präsentiert. Der Aufwand: immens. (…) Für jedes Stück hatte das Originalklang-Ensemble Les Siècles das korrekte Instrumental-Sortiment parat: schmaler mensurierte Holzblasinstrumente, Hochrisiko-Naturhörner ohne Ventile, Fagotte verjährter Bauweise, eine Ophilkleide als Tuben-Double. Die Ergebnisse?
Sensationell, wegen der Selbstverständlichkeit, mit der Stil-Entwicklungen vorgeführt wurden.
Nach dem Lully zum Warmwerden zauberte Roth mit Appetithappen aus Rameaus „Les Indes Galantes“ die höfische Pracht von Versailles in den Großen Saal. Denen folgten die funkelnden Höhepunkte aus Delibes ’ „Coppélia“ als Walzerrausch voller Esprit und Massenets spanische „Le Cid“-Ballettmusik, mit einem Temperament, das dessen Cousine Carmen wie Lieschen Müller wirken ließ. Danach schaltete Roth noch einen Gang höher, zu Strawinskys „Le sacre du printemps“, 107 Jahre jung, raue elegante Urgewalt, virtuos gebändigt, dramatisch wie ein Thriller. »
Hamburger Abendblatt, Joachim Mischke