12/4/2019

Noseda mit dem London Symphony Orchestra auf Tour in Deutschland

2.12. Alter Oper Frankfurt: Tchaikovsky- Piano concerto nr. 1 / Tchaikovsky - Symphony nr. 5

«An ihrer (Khatia Buniatishvilis) Seite agierte auf Augenhöhe Dirigent Gianandrea Noseda, langjähriger erster Gast-Dirigent, des LSO’s. Herrlich gleich zu Beginn die aufstrahlenden Hörner und der satte Ton in der Streichergruppe. Noseda verstand es ausgezeichnet, das Orchester in den Mittelpunkt seiner Spielkunst zu führen. Ausgezeichnet die dynamische Abstufung und die kraftvollen Akzente. Fabelhaft das perfekte Zusammenspiel im kantablen zweiten Satz mit einem hinreißenden Solo der Flöte. Aufrauschend und mit rhythmischer Verve dann der tänzerische finale Satz. (…) Und doch war es der zweite Teil des Programms, der dem Abend seiner Außerordenlichkeit beschied. Im Jahr 1888 entstand Tschaikowsky’s fünfte Symphonie, die er als persönliches Bekenntnis seiner Seele verstand. (…) Mit untrüglichem Instinkt und tiefer Verbundenheit zur Musik traf Noseda traumwandlerisch sicher den rechten Puls, um diesem Meisterwerk alles zu geben. Großartig seine ausgewogene Dynamik, das Hineinhören in die Strukturen und das Ausmusizieren der weitläufigen Melodiebögen.
Eine Insel der Glückseeligkeit durften die zahlreichen Zuhörer mit dem hingebungsvoll ausmusiziertem Andante Cantabile erleben. Mit schlankem Ton phrasierte das Solo-Horn im Dialog mit den meisterhaften Kollegen an Klarinette und Oboe.
Leichtfüssig und doch mit Eintrübungen des Schicksalmotivs führte Noseda dann durch den Walzer, bevor er dann im beschließenden Andante Maestoso alle Schleusen öffnete und das hingebungsvolle LSO entfesselt aufspielen ließ.
Mit welchem Furor und größter Präzision dieser Elite-Klangkörper gerade diesen Satz interpretierte, gehört zu den Sternstunden der diesjährigen Konzertsaison! Die Spannung, die Noseda und das LSO fortwährend aufbauten, kuliminierte in einer überragend dargebotenen Coda, die einem lichtvollen Klangdom gleichkam. So spannend, so gehaltvoll, ja, so tief bewegend kann die Musik des russischen Meisterkomponisten klingen, wenn ein hingebungsvoll wissend agierender Dirigent seine Passion auf ein Orchester überträgt, welches mit ihm diesen gemeinsamen Weg beschritt! An diesem Abend zeigte das LSO eindrucksvoll, warum es zu den besten Orchestern der Welt gehört. Eine wunderbare Erfahrung!»
Online Merker, Dirk Schauss

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3.12. Gasteig München: Tchaikovsky- Piano concerto nr. 1 / Shostakovich - Symphony nr. 7

«Schostakowitschs siebte Symphonie ist ein großes Gegengewicht zu Buniatishvilis grandiosem Auftritt. Aber was bedeuten bei dieser Symphonie schon Größe und zeitliche Ausdehnung. Sie ist überwältigend. Überwältigend in ihrer Dramaturgie, in ihrer schieren Länge, in ihrer Ruhe, in der mächtig gesteigerten Wucht der aus der kaum hörbar geschlagenen kleinen Trommel erwachsenden "Invasionsepisode". Noseda und die Londoner interpretieren das sehr gut, mit höchster Präzision im Streicherapparat und mit einer wirklich beglückenden Qualität in den Bläserstimmen.»
Süddeutsche Zeitung, Andreas Pernpeintner