9/24/2019

Jordi Savall und Le Concert des Nations am Musikfest Eroica in Frankfurt

«Mit Kleinigkeiten gibt sich der spanische Klangforscher Jordi Savall erst gar nicht ab. Rechtzeitig zum 250. Geburtstag von Beethoven im nächsten Jahr richtet der Dirigent und Spezialist für Alte Musik sein Augenmerk auf sämtliche Sinfonien des Klassikers. Mit der Eroica und der populären Fünften spielte er jetzt dem Saisonauftakt der Alten Oper zu, der «Musik als Bekenntnis» zum gewichtigen Thema hat. Und gewann mit seinem «Le Concert des Nations» den viel zitierten Sinfonien tatsächlich etwas Neues ab. Beethoven reloaded: Savall hat in alten Orchesterstimmen Anmerkungen des Urhebers gefunden und setzt diese nun mit seinen beiden Konzertmeistern Jakob Lehmann und Manfredo Kraemer um, Spezialisten für historische Instrumente wie auch das vom Dirigenten Savall gegründete Orchester, dessen Mitglieder überwiegend aus romanischen oder lateinamerikanischen Ländern stammen. Entsprechend sind sie unbeeinflusst von gängiger, aber vergangener Beethoven-Interpretation der von Karajan oder Leonard Bernstein. Beethoven liebte starke Tempi. Der unauffällig, aber sachdienlich dirigierende Savall folgt seinen Metronom-Angaben. Und das hochmotivierte mit energischer Körpersprache aufwartende Orchester scheint in seinem Element. Bei den auf historischen Nachbauten mit Darmsaiten aufspielenden Streichern wirken die schnellen, perfekt intonierten Figurationen im Allegro con brio wie das Zittern von Espenlaub. Schier wundersam eingebettet sind hier die Holzbläser mit ihrem butterweichen Legato-Gesang. (…) Ausgesprochen erlebnisreich sind Jordi Savalls Beethoven-Sinfonien. Und erstaunlich authentisch.»
Hanau Post, Klaus Ackermann

«Wie viel an Raffinesse, an blendenden Verstrebungen diverser idiomatischer Versatzstücke in den Sinfonien steckt, das kam durch Jordi Savall und seine Musiker, die nun seit dreißig Jahren als Le Concert des Nations zusammen spielen fast immer bestens zur Geltung. Für ein historisch orientiertes Ensemble groß besetzt (gut 50 Spieler) hielt man sich an die «kleinen» Zahlenwerte der Metronomangaben des Komponisten, was zügigste Tempi bedeutete. In der «Eroica» erzeugte das noch an einigen wenigen Stellen leichte Unschärfe, die dann bei der c-Moll-Sinfonie gänzlich verschwunden war. Die harte Tektonik mit ihrem «Tatatatamm»-Reduktionismus hätte kaum scharfkantiger ausfallen können.»
Frankfurter Rundschau, Bernhard Uske