Das hr-Sinfonieorchester blickt auf eine mehr als
75-jährige Tradition zurück und präsentiert sich heute als ein höchst
flexibles und vielseitiges sinfonisches Ensemble, das mit seinen
Rundfunk-, Konzert- und CD-Produktionen international große Reputation
genießt. Ob klassisch-romantische Literatur, Experimente und
Entdeckungen im Bereich Neuer Musik oder Grenzüberschreitungen zwischen
den Genres, ob Kinder- und Jugendprojekte, unterhaltende Konzerte oder
anspruchsvolle Programmkonzepte – das Orchester des Hessischen Rundfunks
fühlt sich in den verschiedensten musikalischen Stilen zu Hause und
erarbeitet mit Kompetenz und Engagement exemplarische Aufnahmen und
Interpretationen.
Hans Rosbaud setzte als erster Dirigent des Ensembles
bis 1937 entscheidende Akzente in der Pflege von musikalischer Tradition
und zeitgenössischer Musik. Nach dem Krieg engagierten sich Kurt
Schröder und Winfried Zillig für den Wiederaufbau des Orchesters und
sorgten für ein breit gefächertes musikalisches Repertoire. Dean Dixon
und Eliahu Inbal formten das Ensemble in drei Jahrzehnten (1961–1990)
schließlich zu einem Orchester von internationalem Renommee. Gastspiele
in aller Welt und wichtige Schallplatten-Editionen haben das vielfach
bestätigt, darunter die mit dem »Grand Prix du Disque« ausgezeichnete
Ersteinspielung der Urfassungen von Bruckners 3., 4., und 8. Sinfonie
und die erste Digital-Aufzeichnung aller Mahler-Sinfonien, die 1988 den
»Deutschen Schallplattenpreis« erhielt. Inbal, der 1974–1990
Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters war, wurde 1996 vom Orchester zum
Ehrendirigenten gewählt.
1990–1996 war Dmitrij Kitajenko Chefdirigent des
hr-Sinfonieorchesters. Schwerpunkte seiner Arbeit mit dem Orchester
waren die deutsche und russische Tradition und Moderne. Die
Klavierkonzerte von Prokofjew mit Vladimir Krainjew als Solisten und
eine Skrjabin-Reihe gehörten zu seinen CD-Projekten. Reisen führten das
hr-Sinfonieorchester mit Kitajenko u.a. nach Südamerika, in die Schweiz,
die USA und nach Japan. Unter Leitung von Cristóbal Halffter wurde eine
CD-Gesamtaufnahme seiner Orchesterwerke eingespielt, mit Eliahu Inbal
Orchestermusik der Zweiten Wiener Schule in Verbindung mit Sinfonien von
Schumann und Brahms. Eine Produktion von Schönbergs Operneinakter »Von
heute auf morgen« unter Michael Gielen wurde als Film von Jean-Marie
Straub und Danièle Huillet sowie als CD veröffentlicht.
Seit 1997 ist der Amerikaner Hugh Wolff Chefdirigent
des hr-Sinfonieorchesters. »Flexibilität« und »Vielfalt« sind zwei
wichtige Stichworte auch für seine Arbeit mit dem Orchester. Wolff macht
Erfahrungen der historischen Aufführungspraxis für moderne
Sinfonieorchester nutzbar und erobert damit gleichsam verlorenes
Repertoire aus Klassik, Frühklassik und Barock zurück. Gleichzeitig
zeigt er großes Interesse an zeitgenössischen Werken und bereichert das
Spektrum des Ensembles so auch um neue, aktuelle musikalische Facetten.
Spannende interpretatorische Ansätze und eine ungewöhnlich
abwechslungsreiche Programmgestaltung gehören ebenfalls zu seinen
Markenzeichen. Der große Erfolg der gemeinsamen Arbeit mit dem
hr-Sinfonieorchester dokumentiert sich über die Konzertarbeit in Hessen
hinaus in Einladungen zu Gastspielen in ganz Europa und Übersee sowie in
zahlreichen und viel beachteten CD-Produktionen.
Paavo Järvi wird ab der Saison 2006/07 neuer
Chefdirigent des hr-Sinfonieorchesters.
2005/06